Im Schnee
Wir greifen in die Natur ein, wie es uns passt. Das wird oft kritisiert. Alexander Riffler geht es mit seinen Bildern um etwas anderes. DerWaiblinger Fotograf sucht Orte, an denen menschlicher Eingriff und natürliche Topografie eine Einheit bilden – etwa im vorarlbergischenWinter.
Das Licht, sagt Alexander Riffler, sei entscheidend. Darauf warte er, das fange er ein. Diffuses Licht ist am besten, um Winterlandschaften zu fotografieren. Wenn der Himmel bedeckt ist, kommt das Licht von allen Seiten, der Farbraum wird größer, das Weiß des Schnees wirkt weicher. "Bei blauem Himmel kriegen Sie keinen schönen Schnee", sagt Riffler.
Er muss es wissen, denn er ist im Montafon aufgewachsen, dem Wintersportlern bestens bekannten Tal in Vorarlberg. Doch wenn Riffler mit seiner Linhof Master Technika – einer kompakten Großformatkamera – durch den Schnee stapft, dann sucht er neben dem perfekten Licht ungewöhnliche Ansichten. Er tut das mit äußerster Geduld und Präzision. Das ist auch notwendig, denn mit dieser Kamera macht man keine Schnappschüsse. Um sie aufzubauen und ein Foto zu schießen, sind ein gewisser Aufwand und eine lange Belichtungszeit erforderlich. Auch deshalb sind Alexander Rifflers Landschaftsbilder so ruhig und malerisch.
"Ich mache keine Anklagebilder", sagt der inWaiblingen wohnhafte Fotograf auf den Hinweis, dass der
menschliche Eingriff in die Natur auf seinen Fotos deutlich sichtbar abgebildet ist. "Ich will eher eine symbiotische Beziehung zeigen, Kompositionen mit menschlichen Eingriffen", sagt Riffler. Damit steht er in der Tradition der Fotografen des "New Topographic Movement", jener US amerikanischen Bewegung der späten siebziger Jahre, die das menschliche Wirken in der Natur untersucht und darstellt.
Der Schesatobel, also das enge, steileTal entlang des Flüsschens Schesa nahe der Kreisstadt Bludenz, ist ein Beispiel. Der erste große Murenabgang fand dort nach einer umfangreichen Abholzung statt, dabei entstand ein gewaltiger Schuttkegel. Der Berg und die Schesa sind weiter in Bewegung. Der Mensch wiederum versucht, die Folgen dieser Bewegung zu begrenzen und mit Anpflanzungen oder Dämmen zu gestalten. DasErgebnis sieht im Winter am schönsten aus, findet Alexander Riffler – und wenn er dafür eine Stunde durch Tiefschnee aufsteigen muss.
"Ein Bild zu finden ist oft eine Untersuchung", sagt der Fotograf. Manchmal ist es auch Glück, etwa wenn
Schnee von einer Staumauer rutscht. Oder das Foto ist eine Dokumentation, so wie der Skilift in Grabs – eine Jugenderinnerung Rifflers, die wegen strengerer EU Vorschriften nun außer Betrieb ist. Die Tiefenschärfe und perspektivische Ausgewogenheit der daraus resultierenden Bilder unterstreichen überdies die Liebe des Fotografen zu seinen Landschaftsmotiven – und damit auch die Liebe zum Menschen, der diese Landschaft mitformt.
• Stuttgarter Zeitung Januar 2012 Artikel als PDF








